Warum dieser Name?


Meuterei.. liegt Leipzig am Meer, oder was?

Manch Eine_r mag das Problem kennen. Es wird eine Gruppe gegründet, die gemeinsam ein Projekt mit politischem Anspruch aufbauen möchte. Das alles klappt erstmal ganz gut. Nur irgendwann kommt der Moment in dem es anfängt zu nerven. Gerade wenn über die Gruppe von anderen mit holprigen Neologismen aus Straßennamen oder inoffiziell kursierenden Vorschlägen geredet wird. Ein Name ist mit Sicherheit nicht das wichtigste der Welt, aber ist auch nicht völlig egal.
Die Namensfindung hat bei uns ziemlich lange gedauert, weil es meist wichtiger war Diskussionen über inhaltliche Ausrichtungen oder Bauplanungen zu führen. Aber nach einem langen Prozess konnten wir uns endlich auf den Namen „Meuterei“ einigen.
Nun fragen sich wahrscheinlich viele: wieso einen kitschigen Seefahrt-Name, haben wir irgendwas mit Booten oder Schifffahrt zu tun? Ist das nur so eine alberne Trittbrettfahrt auf einer pseudorevolutionären Piratenwelle, oder hat das was mit dem großartigen linken Kneipenkollektiv Skorbut in Leipzig zu tun?
Nichts von all dem!

Die Leipziger Meuten


Wir wollten gerne einen Namen mit lokalem Bezug, der über den Namen einer Straße hinausgeht und der eine Bedeutung hat mit der wir uns weitesgehend identifizieren können. Mit dem Namen Meuterei wollen wir an den Widerstand der Leipziger Meuten in den 30er Jahren erinnern. meutenbildIn dem zu dieser gruseligen Zeit eher konservativ geprägten Leipzig gab es gerade in den proletarisch geprägten Arbeiterviertel linke Jugend-Cliquen, die sich an verschiedenen öffentlichen Plätzen trafen, um zum einen gemeinsam ungezwungen ihre Freizeit zu verbringen und sich zum anderen als Opposition zu den gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit sahen. Gemeinsam war den Meuten,dass sie die Hitler-Jugend ablehnten und mit dieser auch handfeste Auseinandersetzungen hatten. Die Meuten entwickelten sich meist in einem linken bzw. sozialdemokratischen und kommunistischen Milieu.
Im Leipziger Westen, und so in unseren unmittelbaren Umgebung, gab es die Meute „Reeperbahn“ in Lindenau und die Meute „Hundestart“ in Kleinzschocher, von denen auch gezielter Widerstand gegen HJ-Heime und Flugblattaktionen bekannt sind.

Eine neue Meute in der Zollschuppenstraße?


Nein! Wir möchten unseren Namen nutzen um an einen wichtigen Teil der antifaschistischen Geschichte Leipzigs erinnern und wahrscheinlich gefällt es uns in den gegenwärtigen Verhältnissen den Begriff Meutereizu verwenden. Mehr jedoch nicht! Dabei haben wir sicherlich Überschneidungen und großen Respekt vor dieser Art des Widerstandes, aber wir leben in einer völlig anderen Zeit, in der es für uns wichtig ist an derart wichtige Strömungen zu erinnern, aber in der es keinen Sinn macht diesen in ihrem Aufbau und Organisationsstrukturen oder ähnlichem nachzueifern. Auch für ein Heldendenkmal gegenüber den Meuten ist uns nicht gelegen,dafür ist einfach noch zu wenig über sie bekannt.
Wir möchten eher ein Projekt sein an dem sich aktuelle und auch neue Formen eines emanzipierten Widerstands verfestigen oder bilden können. Der Gefahr dass wir uns durch diese Namensgebung in eine Reihe mit Menschen, die sich in den 30er Jahren mit Nazis geprügelt haben stellen könnten ist uns bewusst, aber es wäre vermessen diesen Vergleich zu suchen. Wir wollen einer linken Gegenkultur in der Gegenwart Raum und Unterstützung geben.

Mehr über Meuten


Weitere Infos zu den Leipziger Meuten gibt es vor allem in diesen Publikationen von dem Historiker Sascha Lange:


  • Im Internet ist die Seite : www.leipzigermeuten.wordpress.com auf der es auch eine ausführlichere Literaturangabe gibt, zu empfehlen
    Interessant ist auch ein Interview mit einem Ehemaligen Mitglied der Meute „Reeperbahn“ im Newsflyer des Conne-Islands (CEE IEH#193) auf : http://www.conne-island.de/nf/193/20.html